Wie haben wir es gemacht?
Jetzt hatten wir unser Land und damit auch die Verantwortung dafür. Wie sollten wir es nutzen? Ganz blauäugig erstellte ich damals ein "Konzept zur Umsetzung einer Landwirtschaft im Nebenerwerb", welches als Liebhaberei abgelehnt wurde. Das Konzept enthielt einen Punkt "Schrittweise Überführung der Nutzung als Weihnachtsbaumkultur in eine agroforstliche Nutzung".
"Agroforstliche Nutzung" - das scheint in Deutschland das Synonym für "Permakultur" zu sein.
Es gab unzählige Informationen zur Permakultur und ihrer Anwendung im Garten. Damals hatten wir sooo viel auf unserem Grundstück zu erledigen, dass uns für eine aufwendige Recherche die Zeit fehlte. Deshalb haben wir uns Hilfe geholt und den Garten planen lassen. Ich zeige euch, wie es für uns funktioniert hat.
Januar 2022: Workshop mit Daniel und Markus
Wir fanden damals Permagold, die Planungsleistungen bei Agroforst- und Permakulturprojekten anbieten. Dort haben wir uns einen privaten 2-tägigen Workshop mit Daniel und Markus gebucht.
Am Ende wussten wir alles über Permakultur, Sukzession, den Boden, was wir wollen, die Zonierung, das Beachten von örtlichen Gegebenheiten, ob wir lieber gelbe oder rote Kirschen anbauen sollten, was ein Hühnertraktor ist, wie wir Schafe integrieren können, wie wir ein Mulchbeet anlegen - und ob Hügelbeete bei uns Sinn machen, was Terra preta ist, wie man eine Komposttoilette baut, wie man einen Kompost anlegt, was Aufasten ist und wie wir Äste abschneiden, was eine Energieholz bzw. Kurzumtriebsplantage ist, wie wir Bäume pflanzen, wie wir unseren Ertrag vermarkten, ...
und wir hatten einen Plan!!
Ein Permakultuprojekt, dass wir schrittweise umsetzen können. Es entsteht auf einer Fläche, die ehemals als Monokultur für den Anbau von Weihnachtsbäumen genutzt wurde.
März 2022: Wir pflanzen Obstbäume und Beeren
Im März war es dann so weit. Wir haben die Theorie in die Praxis umgesetzt und ca. 100 Obstbäume und 200 Beerensträucher gepflanzt. Der Anfang war gemacht.
Damit die Pflanzen gut starten können hat jede Pflanze etwas Mykorrhiza-Granulat mit in das Pflanzloch bekommen.
Mykorrhiza bezeichnet eine besondere Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzen. Dabei bildet der Pilz um die Pflanzenwurzel ein fein verzweigtes unterirdisches Netzwerk, das Wasser und Nährstoffe aufnimmt und der Pflanze zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhält der Pilz Stoffwechselprodukte der Pflanze. Durch diese enge Zusammenarbeit können Pflanzen vorhandene Wasser- und Nährstoffressourcen besonders effizient nutzen.
Die Baumscheiben haben wir bepflanzt. um den Baum zu unterstützen:
Nützlinge anlocken (Schafgarbe, Ringelblume), Nährstoffe liefern (Leguminosen), Schädlinge fernhalten (Zwiebelgewächse, Minze) und den Boden mulchen (Beinwell, Schnittgut)
Wir haben eine Totholzhecke angelegt. Du siehst sie auf einigen Bildern im Hintergrund.
Nutzen und Funktion einer Totholzhecke:
Lebensraum: Schafft wertvolle Rückzugsorte und Nahrung für Igel, Vögel, Wildbienen, Käfer, Eidechsen und viele andere Kleintiere.
Natürlicher Sichtschutz: Bildet mit der Zeit einen lebendigen, natürlichen Sichtschutz, der sich harmonisch in den Garten einfügt.
Bodenverbesserung: Durch die langsame Zersetzung des Holzes entsteht Humus, der den Boden nachhaltig anreichert.
Gartenpflege: Bietet eine praktische und ökologische Möglichkeit, Schnittgut sinnvoll weiterzuverwenden.
Jetzt heißt es abwarten. Wird alles anwachsen? Werden wir mit Rückschlägen rechnen müssen?
Wie ging es weiter?.
Die ersten Blumen blühen. Der Garten entwickelt sich. Wir ernten die ersten Himbeeren. Zita wacht, damit alles in Ordnung ist.
Am Anfang haben wir viel gegossen. Dazu wird unser Regenwasser vom Haus nicht mehr auf dem Grundstück verrieselt , sondern zum Gießen aufgefangen.
Vor der Totholzhecke entsteht ein Windschutz. Er soll das Mikroklima verbessern im Garten und besteht aus Bäumen und Sträuchern.
Das erste Obst von den Bäumen ist da. Klein, aber wir freuen uns riesig. Es ist auch mal Zeit zum Genießen.
Im ersten Jahr war der Boden im Sommer ausgetrocknet. Beim Gießen sickerte das Wasser nicht sofort ein, sondern lief teilweise an der Oberflächen weg. Wir haben dann angefangen zu Mulchen um den Boden vor Austrocknung, Erosion und Unkraut zu schützen, Nährstoffe zuzuführen und das Bodenleben zu fördern.
Wir haben einen Komposthaufen angelegt, um Laub und Einstreu von den Schafen zu kompostieren. So schließen wir Nährstoffkreisläufe und erhalten wetvollen Dünger.
Alles wächst. Die Bäume und Sträucher werden kräftiger - die Ernte üppiger. Heike hat angefangen auch Gemüse anzubauen. Wir ernten die ersten Kartoffeln - es ist wie Gold finden ...
Für den Gemüseanbau haben wir ein Mulchbeet angelegt. Dazu wurde die Fläche mit dem Mulcher "gemäht", dann der Rand mit kleineren Baumstämmen begrenzt und dir Mitte mit unbedruckter Wellpappe abgedeckt. Auf die Wellpappe kam Kompost.
Was haben wir noch vor?
2025 haben wir mehr Obst geerntet als wir selbst essen können. Jetzt wollen wir auch mehr Gemüse anbauen.
Danke!
Warum konnte dass alles entstehen? Weil viele mitgeholfen haben und uns unterstützt haben! Danke an alle! Vor allem aber, weil meine Frau Heike sich unermüdlich um den Garten kümmert! Danke Heike ❤️🥰 !
Wenn du weiterlesen möchtest geht es hier zum nächsten Thema: Den Garten lesen lernen
































