Permakultur
Vorwort
Es ist Dezember 2025. Ich blicke auf das fast vergangene Jahr zurück und denke an das, was alles passieren sollte - und das, was alles passiert ist. Vieles ist geschafft – manches nicht. So wollte ich zum Beispiel am Jahresende 80 kg wiegen – ich wiege 98 kg. Na ja, das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende.
Und: Ich wollte die Webseite unseres Hofes erweitern. Es sollte einen Abschnitt zur Permakultur geben. Das schaffe ich noch! Wirklich? Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht der größte Poet bin. Eigentlich schreibe ich gar nicht so gerne. Doch da ist ja noch etwas, dass ich dieses Jahr nutzen wolle – die künstliche Intelligenz. Also: Ich bin gespannt, was ChatGPT und ich hervorbringen. Du auch? Dann lies weiter …
Bis gleich! Ulf
Wie kamen wir auf die Idee uns mit Permakultur zu beschäftigen?
Im Jahr 2020 - mit Mitte 50 haben meine Frau Heike und ich ein Abenteuer gewagt. Wir haben uns ein wunderschönes ehemaliges Bauernhaus mit ca. 2 ha Land gekauft. Natürlich kamen bald Fragen auf: Wie wollen wir das Land nutzen? Welchen Plan gibt es? Wie soll es in 10 Jahren aussehen?
Wir hatten keinen genauen Plan - es war ja ein Abenteuer! Also fingen wir an nach Konzepten zu suchen. Wir wollten Obst und Gemüse nachhaltig anbauen, um uns selbst zu versorgen. Auf Pestizide wollten wir verzichten. Pflanzen und Tiere sollten im Einklang leben können. Gibt es dafür nicht schon ein fertiges Konzept? Wir fanden das Konzept der Permakultur. Es stammt aus den 1970er Jahren – hat aber nach meiner Meinung nichts an Aktualität verloren.
Etwas Theorie - Was ist Permakultur?
Wenn du suchst findest du viele Veröffentlichungen zum Thema Permakultur. Im Folgenden findest du eine ganz kleine Einführung.
Permakultur wurde in den 1970er-Jahren entwickelt im historischen Kontext von Ölkrisen, Umweltzerstörung und industrieller Landwirtschaft. Bill Mollison (Biologe) und David Holmgren (Systemdenker) stellten sich die Frage: Wie können Menschen dauerhaft leben und wirtschaften, ohne ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören?
Die Antwort entstand aus einer grundlegenden Beobachtung: Natürliche Ökosysteme sind hochproduktiv, stabil und regenerativ - ohne zentrale Steuerung, ohne Kontrolle, ohne lineare Planung.
Demgegenüber stehen viele menschengemachte Systeme wie Landwirtschaft, Wirtschaft, Organisationen oder Städte. Diese sind zwar kurzfristig effizient, aber langfristig verbrauchen diese Systeme Ressourcen, werden instabil und erzeugen hohe Folgekosten.
Die zentrale Erkenntnis war: Nicht einzelne Techniken sind das Problem, sondern: das zugrunde liegende Denkmodell (linear, kontrollierend, extraktiv). Permakultur ist daher: kein Methodenbaukasten, sondern ein Gestaltungs- und Denksystem.
Permakultur ist der Versuch, von funktionierenden natürlichen Systemen zu lernen, ohne sie zu kopieren oder zu romantisieren.
Permakultur ist ein ganzheitliches Konzept zur Gestaltung nachhaltiger Lebensräume. Der Begriff setzt sich aus den englischen Worten permanent agriculture (dauerhafte Landwirtschaft) und permanent culture (dauerhafte Kultur) zusammen. Gemeint ist damit eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die so gestaltet ist, dass sie langfristig stabil, ökologisch verträglich und sozial gerecht funktioniert.
Im Mittelpunkt der Permakultur steht die Beobachtung der Natur. Natürliche Ökosysteme – wie Wälder, Wiesen oder Feuchtgebiete – funktionieren ohne Abfall, ohne künstliche Dünger und ohne ständigen menschlichen Eingriff. Alles ist miteinander verbunden, und jede Ressource wird mehrfach genutzt. Permakultur versucht, diese Prinzipien bewusst auf Gärten, Landwirtschaft, Siedlungen und sogar soziale Strukturen zu übertragen.
Die ethischen Grundlagen der Permakultur
Permakultur basiert auf drei ethischen Grundsätzen, die allen Entscheidungen zugrunde liegen:
- Sorge für die Erde bedeutet, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und aufzubauen. Gesunder Boden, sauberes Wasser, stabile Ökosysteme und Artenvielfalt sind die Basis allen Lebens.
- Sorge für die Menschen heißt, Lebensräume so zu gestalten, dass sie menschliche Grundbedürfnisse erfüllen – wie Nahrung, Sicherheit, Gemeinschaft und Sinn.
- Faires Teilen fordert dazu auf, Überschüsse zu begrenzen und gerecht zu verteilen. Ressourcen sollen nicht angehäuft, sondern verantwortungsvoll genutzt und geteilt werden.
Diese drei Prinzipien machen deutlich, dass Permakultur nicht nur eine Gartentechnik ist, sondern eine Haltung gegenüber der Welt.
Permakultur als Gestaltungsansatz
Permakultur ist vor allem ein Designsystem. Das bedeutet: Bevor gehandelt wird, wird beobachtet, geplant und verstanden. Faktoren wie Sonne, Wind, Wasser, Boden, vorhandene Pflanzen und Tiere sowie die Bedürfnisse der Menschen werden in die Gestaltung einbezogen.
Ein zentrales Ziel ist es, geschlossene Kreisläufe zu schaffen. Abfälle gibt es in der Permakultur nicht – organische Reste werden kompostiert, Regenwasser wird gespeichert, Pflanzenreste schützen den Boden und nähren ihn gleichzeitig.
Von David Holmgren wurden 12 Gestaltungsprinzipien der Permakultur formuliert (ich nenne sie hier mal alle, die Gestaltungsprinzipien begegnen uns immer wieder):
- Beobachte und interagiere
Bevor etwas gestaltet oder verändert wird, ist es wichtig, die natürlichen Gegebenheiten genau zu beobachten. Sonne, Wind, Wasser, Boden, Pflanzen und Tiere geben Hinweise darauf, was an einem Ort möglich ist. Durch aufmerksames Beobachten entstehen Lösungen, die besser an die Umgebung angepasst sind. - Fange Energie ein und speichere sie
Natürliche Energiequellen wie Sonnenlicht, Regenwasser oder organische Biomasse sollten gezielt gesammelt und gespeichert werden. So steht Energie auch dann zur Verfügung, wenn sie gerade nicht direkt vorhanden ist, etwa in Form von gespeicherter Bodenfruchtbarkeit oder Regenwasserzisternen. - Erziele einen Ertrag
Jedes funktionierende System sollte einen sinnvollen Ertrag liefern. Das kann Nahrung, Holz, Energie, Wissen oder soziale Stabilität sein. Ohne Ertrag fehlt die Motivation, ein System dauerhaft zu pflegen. - Übe Selbstregulierung und akzeptiere Rückmeldung
Permakultur bedeutet, aus Erfahrungen zu lernen und Grenzen zu erkennen. Wenn ein System Schaden nimmt, ist das ein Zeichen, die eigene Vorgehensweise zu überdenken und anzupassen. Rückmeldungen aus der Natur helfen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. - Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen
Erneuerbare Ressourcen wie Sonnenenergie, Wind, Holz oder menschliche Arbeitskraft sollten bevorzugt genutzt werden. Sie ersetzen endliche Ressourcen und fördern Systeme, die sich selbst erneuern können. - Produziere keinen Abfall
In natürlichen Systemen gibt es keinen Müll. Alles, was übrig bleibt, wird Teil eines neuen Kreislaufs. In der Permakultur werden organische Abfälle kompostiert, Materialien wiederverwendet und Systeme so gestaltet, dass möglichst wenig Abfall entsteht. - Gestalte vom Muster zum Detail
Zuerst werden große Zusammenhänge betrachtet, bevor Details geplant werden. Landschaftliche Muster, Wasserläufe oder Sonnenbahnen geben die Struktur vor. Erst danach folgen Beete, Wege oder einzelne Pflanzen. - Integriere statt zu trennen
Elemente eines Systems sollten so miteinander verbunden sein, dass sie sich gegenseitig unterstützen. Pflanzen, Tiere und Menschen werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines funktionierenden Ganzen. - Nutze kleine und langsame Lösungen
Kleine Systeme sind leichter zu kontrollieren und langfristig stabiler. Langsame Entwicklungen sind oft nachhaltiger als schnelle Eingriffe. Schrittweise Veränderungen führen zu dauerhaften Erfolgen. - Nutze und schätze Vielfalt
Vielfalt erhöht die Stabilität eines Systems. Unterschiedliche Pflanzen, Tiere und Strukturen reagieren unterschiedlich auf Veränderungen. Dadurch wird das Gesamtsystem widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Klimaextreme oder Ausfälle. - Nutze Randzonen und schätze das Marginale
Übergangsbereiche zwischen verschiedenen Lebensräumen sind oft besonders produktiv. Ränder von Teichen, Hecken oder Wegen bieten Raum für hohe biologische Vielfalt und kreative Nutzung. - Reagiere kreativ auf Veränderung
Veränderung ist ein natürlicher Teil jedes Systems. Statt sie zu bekämpfen, wird sie bewusst genutzt. Klimaveränderungen, neue Bedürfnisse oder unerwartete Ereignisse bieten Chancen für neue, bessere Lösungen.
Zentrale Denkfiguren der Permakultur
a) Kreisläufe statt Linearität
Abfall wird zur Ressource.
Fehler werden zu Lernen.
Erfahrung wird weitergegeben.
b) Vielfalt schafft Stabilität
Monokulturen sind effizient – aber fragil.
Vielfalt erhöht:
• Anpassungsfähigkeit
• Innovationsfähigkeit
• Resilienz
c) Kleine Eingriffe, große Wirkung
Permakultur sucht Hebelpunkte, nicht Maximalmaßnahmen.
Die klügste Veränderung ist oft die unscheinbare.
d) Selbstregulation statt Kontrolle
Gut gestaltete Systeme:
• steuern sich weitgehend selbst
• benötigen weniger Energie von außen
Zusammenfassung
Permakultur adressiert zentrale Herausforderungen moderner Gesellschaften: Komplexität, Unsicherheit, Ressourcenknappheit sowie Überforderung durch Effizienzlogik
Sie bietet kein Patentrezept, aber ein robustes Denkmodell für nachhaltige Gestaltung.
Permakultur ist die Kunst, Systeme so zu gestalten, dass sie langfristig lebensfähig, selbstregulierend und regenerativ sind.
So, das war's schon mit der Theorie. Was machen wir jetzt damit? Ich werde auf zwei Beispiele eingehen:
- Ursprünglich war die Idee ja für die Landwirtschaft gedacht, wir haben es auch versucht.
- Ein Leitfaden in Stichpunkten
- Wie haben wir es gemacht?
- Den Garten lesen lernen - Und dann interessiere ich mich beruflich für Organisationsentwicklung - Die regenerative Organisation.


